Startseite News Kraftstoffpreise, Energiekosten und Inflation steigen

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Rumort es noch oder kriselt es schon? Energiekosten, Kraftstoffpreise und Inflation sind nun auch in Breite bei den Verbrauchern angekommen. Die Kerze wird von beiden Enden angezündet und langsam werden die Finger heiß. Wer dieser Tage Heizöl tankt, staunt nicht schlecht. Und auch an der Tankstelle wird der Griff zum Geldbeutel immer nervöser. Ferner stiegen die Nahrungsmittelpreise letzthin. Vor allem mit Getreide verteuerte sich eines der drei globalen Grundnahrungsmittel (neben Kartoffeln und Reis) um über 30% im Vergleich zum Vorjahr. Und Baustellen wissen nicht, woher sie das massiv verteuerte Material nehmen sollen. Schwindende Kaufkraft durch Inflation, durch Corona nach wie vor angeschlagene Lieferketten und massive Verteuerungen beim Öl und Erdgas. Was bedingt hier was?

Was sind die Ursachen für die gegenwärtige Inflation?

Die momentane Inflation, die wir hierzulande erleben, ist auf dem Höchststand seit ca. 30 Jahren. Sie unterliegt teilweise temporären Bedingungen, wie den schwerfällig laufenden Lieferketten, nahezu durch die Bank steigenden Rohstoff- und Kraftstoffpreisen und folglich steigenden Energie- und somit Erzeugerosten. All das wird preislich an die Verbraucher weitergegeben.

Allerdings gedeiht diese Entwicklung auf einem fruchtbaren Nährboden. In den letzten Jahren weiteten die Zentralbanken, die immer mehr zum unverhohlenen Instrument der staatlichen Schuldenpolitik geworden sind, die Geldmenge mit Nullzins-Strategie massiv aus, um den Schuldendruck vermeintlich günstig zu relativieren. Wer im Rahmen von Forex Trading mit Währungen handelt, konnte diese Entwicklung schon von langer Hand wahrnehmen. Das Ganze wurde jetzt noch durch Corona Hilfen verschärft. Allein seit Anfang 2020 weitete sich die Geldmenge im Euroraum um rund 16% aus. In den USA wuchs sie im selben Zeitraum gar um 34%!

Teuerungen sind nicht nur inflationär bedingt

Dass sich die gegenwärtige Inflation so scharf bemerkbar macht, liegt also daran, dass einer stark gewachsenen Geldschwemme nun Preisentwicklungen durch gestiegene Erzeugerkosten und Verknappung gegenüberstehen, die auf Konjunkturebene ohnehin bereits wirksam wären. Das durch Überhang entwertete Geld wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger. Dabei sind einige preistreibende Entwicklungen auf Erzeugerseite temporär und werden sich in nächster Zeit wohl wieder entspannen. Andere hingegen wirken längerfristig:

  • Lieferketten: Da weltweit noch Lockdowns in verschiedenen Härtegraden vorliegen, laufen die Lieferketten langsamer. Sobald die Corona Situation jedoch konsolidiert ist, sollte sich dies weitgehend erholen.
  • Nahrungsmittelpreise: Etwas kniffliger sieht es bei den Preisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse und somit Lebensmittel aus. Diese sind nicht nur von erhöhten Erzeugerkosten sondern auch immer mehr von schlechten Ernten betroffen. Tendenz steigend.
  • Holz und Metall: Unter dem Eindruck zunehmender und anhaltender Waldbrände weltweit wird Holz, als wichtiger Bau- und Rohstoff, wohl langfristig teurer bleiben. Allein im Westen der USA und in Kanada brennt es bereits seit Wochen. Beim Metall sind vor allem Produktionsengpässe ausschlaggebend, die sich jedoch mittelfristig wieder einpendeln sollten.
  • Öl und Gas: Bei Öl und Gas war es vor allem die OPEC, die durch künstliche Verknappung, die Daumenschrauben angedreht hat. Wohl noch ganz traumatisiert vom Preissturz 2019.

Das EZB Dilemma

Die Inflation zu bewältigen, wird keine leichte Aufgabe, da zum einen ein ausgeprägtes Fundament in Form von billigem Geld wirksam ist. Aber auch einige der (insbesondere klimatisch bedingten) Konjunktur-Mechanismen, werden nicht einfach mit Corona wieder verschwinden. Hier sind die Zentralbanken gefordert, das „Helikopter-Geld“ zurückzufahren und die Zinsen anzuheben. Die EZB steht vor einer besonderen Herausforderung. Denn anders als andere Zentralbanken muss sie nicht nur den Bedürfnissen einer Volkswirtschaft Rechnung tragen, sondern jenen aller EU-Mitglieder. Und da gibt es durchaus Interessenkonflikte. Insbesondere einige der massiv verschuldeten südeuropäischen Länder könnten mit Nullzins noch eine ganze Weile gut weiterleben.

Wann wird endlich das Zins Dumping beendet?

Technisch bleibt es jedoch eine Notwendigkeit, dass dem Nullzins ein Ende bereitet wird. Die ausgeprägten inflationären Tendenzen allein konjunkturell aussitzen zu wollen und ansonsten fiskalisch so weiterzumachen, wie bisher, ist schlicht und ergreifend nicht realistisch. Zu profund und langfristig sind einige der negativen konjunkturellen Einflussfaktoren, die momentan wirken, als dass man davon ausgehen könnte, dass der Markt allein die Inflation einfach weg-wirtschaftet. Insbesondere im Bereich Landwirtschaft (als absolutem Fundamentalmarkt), in der Energieerzeugung und in der Holzwirtschaft stehen global größte Herausforderungen bevor, die auch in den nächsten Jahrzehnten noch Tatsachen schaffen werden.